Haben Sie schon einmal geflucht, weil Sie wieder in die Apotheke laufen mussten, um ein Medikament zu holen oder zu suchen? Oder gehofft, dass die Mitarbeiterin mit dem Karton in der Hand sicher von der Leiter steigt? Vielleicht sind Sie auch Klinikinhaber und wünschen sich, dass Medikamente nicht mehr so häufig vergessen oder unvollständig abgerechnet werden.
Genau hier kommen Lagerautomaten ins Spiel.
Sie lagern Medikamente platzsparend ein, geben sie nur nach korrekter Abrechnung frei und transportieren sie automatisch zum gewünschten Ausgabeschacht – ohne dass jemand die Apotheke betreten muss. Jede Lagerbewegung, ob Wareneingang oder Verkauf, wird dokumentiert und ist jederzeit nachvollziehbar.
Von außen wirken Lagerautomaten mit ihren glatten, schnörkellosen Oberflächen wie ein großer Block – ein raumfüllender Quader mit Bildschirm, Bedienfläche, Auswurfschacht und einem Sichtfenster ins Innere. Die Greifarme arbeiten im Inneren des Systems und lagern Packungen automatisiert ein und aus. Förderbänder oder angeschlossene Schächte transportieren die Medikamente an definierte Ausgabepunkte. In der Humanmedizin gehören diese automatisierten „Schrankwände“ hinter dem Apothekentresen längst zum Alltag. Auch in der Tiermedizin setzt sich die Technologie zunehmend durch. Seit 2017 wächst die Zahl der installierten Systeme kontinuierlich. Aktuell sind schätzungsweise 40 bis 45 Lagerautomaten in Deutschland im Einsatz.
Vorteile eines Lagerautomaten
Der Einsatz eines Lagerautomaten bringt mehrere organisatorische und wirtschaftliche Vorteile:
- Fehlerreduzierung durch vollständige und korrekte Abrechnung
- höhere Lagerkapazität durch optimierte, verdichtete Lagerung
- übersichtlicheres Bestandsmanagement
- permanente Inventur durch lückenlose Dokumentation aller Bewegungen
Praxisabläufe im Alltag
Durch die Nutzung eines Lagerautomaten unterscheiden sich die Abläufe im Alltag von der normalen tiermedizinischen Hausapotheke in einigen Punkten. Da der Lagerautomat ein in sich geschlossenes System ist, geht der Mitarbeitende nicht mehr wie gewohnt in die Apotheke und holt sich das Medikament selbst. Stattdessen werden Abgabemedikamente abgerechnet und die Auslagerung in der Praxismanagementsoftware angestoßen, sobald das Medikament benötigt wird. Hier kann angegeben werden, wo das Medikament ausgeworfen werden soll. Häufig gibt es die Möglichkeit, die Medikamente an einem Ausgabeschacht am Lagerautomaten selbst oder an der Anmeldung auszuwerfen. Wenn die Klinik mehrere Stockwerke hat, ist es auch möglich, über eine Rutsche oder ein Rohrpostsystem die Medikamente im entsprechenden Stockwerk auszuwerfen.
Außerdem können Medikamente, die ein Tierhalter abholen möchte, durch Eintragen in die Behandlungskartei einfach reserviert und erst ausgeworfen werden, sobald das Medikament gebraucht wird. Sobald Medikamente in der Praxis eintreffen, werden die Wareneingänge direkt am Lagerautomaten eingebucht, damit die neu eingetroffenen Medikamente unmittelbar zur Verfügung stehen. Angewandte Medikamente können ebenfalls im Lagerautomaten aufbewahrt werden, um möglichst viel Platz zu sparen. Für die Befüllung der Behandlungsräume, der Station oder der Operationsräume werden diese durch das Apothekenteam intern umgebucht und aus dem Lagerautomaten gesammelt ausgeworfen.
Der Lagerautomat ersetzt Apothekenmitarbeitende nicht – im Gegenteil: Sie pflegen den Lagerautomaten, füllen die Behandlungsräume auf und sind intern die wichtigsten Ansprechpartner bei Rückfragen von Kolleginnen und Kollegen. Das Fachpersonal bleibt damit ein zentraler Bestandteil der Apothekenorganisation.